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Die Chronologie des Bergbaus im Schelderwald

Der Schelderwald kann auf eine 2500-jährige Bergbaugeschichte zurückblicken. Im Folgenden eine chronologische Zusammenfassung.

 

Ca. 500 v. Chr.

In der heimischen Region siedelt ein Volk, das den Kelten zugeordnet wird. Zahlreiche Bodenfunde aus dieser Zeit belegen, dass dieses Volk bereits Waffen und Werkzeuge aus Eisen hatte. Es muss also sowohl Bergbau-Techniken als auch die Eisenverhüttung beherrscht haben. Der Erzabbau zu jener Zeit findet freilich ausschließlich im Tagebau, in so genannten Pingen, statt. Dieses Volk legt befestigte Höhensiedlungen an, zunächst auf der „Lay“ bei Rittershausen, rund zwei hundert Jahre später auf dem „Heunstein“, auf einem Höhenzug zwischen Dillenburg, Frohnhausen und Nanzenbach. Kurz vor Christi Geburt verlieren sich die Spuren dieses Volkes. Es hatte zum einen gegen die Römer, die von Süden her expandierten, zum anderen gegen die Germanen zu kämpfen, die vom Norden her in die heimische Region vordrangen.

 

1443

Bei Eisemroth und Steinbrücken werden Eisenhütten urkundlich erwähnt.

 

1444/45

Die „Illequatsche Rechnung“, eine Abrechnung über den Bergzehnten, erwähnt erstmals urkundlich eine Grube im Schelderwald: die Zeche „Bieberstein“ (später: „Unverhofftes Glück“), die in der Nanzenbacher Gemarkung in Betrieb stand. Der „Biebersteiner Weiher, heute ein wertvoller Biotop, erinnert an diesen historischen Bergbau-Standort.

 

1445

Eisenhütten bei Oberscheld und in Dillenburg („Hüttenplatz“!) werden urkundlich erwähnt.

 

1447

Die Eisenhütten von Haiger und von Wissenbach werden erstmals erwähnt.

 

1449

Die Neuhütte zu Ewersbach wird errichtet.

 

1618 – 1648

Der Dreißigjährige Krieg führt gerade auch in unserer Region zu großen Verwüstungen. Nicht nur die Söldnerheere, auch die Pest raffen Tausende von Einwohnern dahin. Dadurch kommt die Arbeit in vielen Gruben und auch Eisenhütten völlig zum Erliegen. Es sollte Jahrzehnte dauern, bis sich die Eisenindustrie davon wieder erholt.

 

1728

Die Isabellenhütte, im Volksmund auch heute noch die „Kupferhütte“, wird im unteren Nanzenbachtal bei Dillenburg gegründet. Sie soll vor allem das Kupfererz verhütten, das in den Gruben „Gemeine

Zeche“, „Alte Lohrbach“, „Neuer Muth“ und anderen kleineren Bergwerken bei Nanzenbach gewonnen wird. Die Isabellenhütte produziert bis zum heutigen Tage und gehört zu den führenden Unternehmen von Dillenburg. Die Produktpalette hat sich freilich völlig gewandelt. High-Tech-Produkte werden in alle Welt exportiert.

 

1765

Es liegen wieder Aufzeichnungen über Eisengruben im Fürstentum Dillenburg vor. Seit diesem Jahr gibt es nachgewiesenermaßen den Bergbau auf der Grube „Beilstein“, die am Rande des Scheldetals in Eibacher Gemarkung liegt. Zunächst wird sie im Tagebau betrieben. Diese Grube sollte sich im kommenden Jahrhundert zur wichtigsten und technisch fortschrittlichsten im Scheldetal entwickeln.

 

1800

Urkunden belegen, dass jeweils Dutzende von Gruben in Eibach, Oberscheld und Nanzenbach in Betrieb sind. Auch weiter entfernt wird jetzt Eisenstein aus der Tiefe geholt: aus „Stangenwaage“ bei Donsbach, aus der „Constanze“ bei Langenaubach und aus der Grube „Rothland“ bei Offenbach.

 

30.6.1819

Die Grube „Königszug“ wird geboren, mit der Zusammenlegung von „Stollenhecke“, „Königsstein“, „Kohlengrube“ und Schlitz“. Auf diesen ist schon lange vorher nach Eisenerz geschürft worden. Sie wird an den nassauischen Fiskus verliehen und wird sich zur bedeutendsten Mine weit und breit entwickeln. Zwei Drittel ihres Abbaugebietes liegen in der Eibacher Gemarkung, ein Drittel in der Nanzenbacher.

 

14.11.1822

Der Nanzenbacher Johannnes Thomas pachtet die „Neue Lust“. Mit diesem Datum wird sie erstmals urkundlich erwähnt.  

 

1820

Der Domänenfiskus und drei Firmen als Grubenbesitzer schließen einen Vertrag, um den „Auguststollen“ aufzufahren. Er liegt auf dem Höhenzug zwischen Oberscheld und Eisemroth. Jeder der vier Beteiligten muss dazu täglich mindestens einen Hauer abstellen. Die Aufsicht über deren Arbeiten wechseln im jährlichen Turnus. 1847 hat der „Auguststollen“ eine Länge von 400 m erreicht. Das entspricht einem monatlichen Vortrieb von nur zwei Metern!

 

Der Hessen-Nassauische Hüttenverein übernimmt die Grube „Albertsgrube“ und gibt ihr den Namen „Stillingseisenzug“. Mit diesem neuen Namen soll das Andenken eines Verwandten der Familie Jung, die zur Regelung ihres Familienerbes den besagten „Hüttenverein“ gegründet hatte, gewahrt bleiben: das an den bekannten Arzt und Schriftsteller Jung-Stilling, der von 1740 bis 1817 lebte und ein Freund Goethes war.

 

1835

Eine englische Gesellschaft übernimmt die Kupfergruben bei Nanzenbach.

 

Die „Neue Lust“ geht an Julius Kilian über, den Betreiber der bei Biedenkopf gelegenen „Kilianshütte“.

 

1841

Diese englische Gesellschaft setzt erstmals eine Dampfmaschine im heimischen Bergbau ein, bei der Wasserhaltung auf der „Neuen Muth“ am Ortsrand von Nanzenbach. Diese Maschine ist zuvor in mühseligem Transport aus dem Mutterland heran geschafft worden.

 

1848

Im Wilhelmstollen der Grube Beilstein werden erstmals Schienen verlegt, auf denen Holzwagen mit vier gusseisernen Rädern laufen. Zunächst werden sie von Menschen geschoben, aber ab 1865 von Pferden gezogen.

 

1858

In Dillenburg wird die „Herzogliche Bergschule“ gegründet. Mit ihr erhielten die Grubenbeamten von Nassau eine eigene Ausbildungsstätte. Ihre erste Unterkunft hatte sie in den Räumen eines Gebäude zwischen der Wickbrücke und der Maibachstraße, das in der Neuzeit einem Kaufhaus weichen musste. Gegen Ende des Jahrhunderts wird für sie ein eigenes Gebäude gebaut, in der Wilhelmstraße.

 

1862

Die Köln-Gießener Eisenbahn erreicht Dillenburg und schließt damit unsere Region an das neue Massenverkehrsmittel an. Damit wird es möglich, heimisches Erz zu den Hütten des Ruhrgebietes zu verfrachten. Umgekehrt steht ein neuer Energieträger für die heimischen Hochöfen zur Verfügung: Steinkohle.

 

1865

Die drei Jahre zuvor erbaute Leopoldshütte bei Haiger stellt ihren Hochofen auf Koksbetrieb um

 

1872

Die Grube „Beilstein“ wird als erste im Lahn-Dill-Gebiet mit einer Kompressormaschine ausgestattet, die eine Bohrmaschine antreibt.

 

Nachdem die Eisenbahn schon zehn Jahre zum Alltag in Dillenburg gehört und hier an speziellen Plätzen Eisenerz gelagert und auf Waggons verladen wird, wird eine Stichbahn in den Schelderwald gebaut. Sie geht zunächst zur bis zum „Nicolausstollen“, kurz hinter Oberscheld, und dient ausschließlich der Erschließung der hiesigen Gruben. So wird sie denn auch fast ein Vierteljahrhundert lang als reine Güterbahn betrieben.

 

1878

Von 1878 bis 1894 hat die Grube „Beilstein“ damals technisch gesehen die fortschrittlichste im Schelderwald, ihre beste Zeit. Sie fördert jährlich zwischen 25 und 30 Tausend Tonnen Eisenerz.

 

1880

Zwischen „Beilstein“ und der neuen Eisenbahnstrecke wird eine 114 Meter lange Seilbahn verlegt, um Eisenerz verladen zu können. Dieser ersten Seilbahn im Schelderwald und in der Region überhaupt sollten in den nächsten vierzig Jahren noch etliche weitere folgen.

 

1883

„Beilstein“ und „Ölsberg“ werden miteinander vereinigt. Die Gruben waren schon zuvor durch den „Wilhelmstollen“ miteinander verbunden.

 

1.  Juli 1883

Buderus erwirbt als erste Grube im Schelderwald den „Friedrichszug“. Sie gehörte zuvor dem Freiherrn von Wittgenstein.  Damit wird auch Wirtschaftspolitik gemacht. Das Holz aus dem waldreichen Wittgenstein wird umgekehrt benötigt zur energetischen Versorgung der heimischen Hochöfen, die damals noch auf Holzkohlebasis betrieben wurden.

 

1884

Mit einer Belegschaft von 74  Mann werden auf „Friedrichszug“ 11.605 Tonnen Eisenerz gefördert. Diese werden noch zweieinhalb Jahrzehnte lang mit Fuhrwerken zur Bahnstation Nikolausstollen gebracht.

 

1889

Als gemeinschaftliche Aktion mehrerer Grubeneigner wird beschlossen, in der Nähe des „Auguststollens“ den „Burger Stollen“ anzulegen. Technische Fortschritte machen hier ein deutlich schnelleres Arbeiten als damals beim „Auguststollen“ möglich: Zwölf Meter schaffen die Bergleute jeden Monat. Ebenso erhält dieses Grubengelände 1889 seinen Bahnanschluss: Ein Stichbahn führt über den „Ortsberg“ hierher.

 

1890

Auf „Stillingseisenzug“ wird ein neuer Maschinenschacht abgeteuft.

 

1892

Der 580 Meter lange „Auguststollen“ ist fertig gestellt. Vier Gruben werden daran angeschlossen. 1910 kommt als fünfte die „Sahlgrund“ dazu.

 

1893

Der Hessen-Nassauische Hüttenverein übernimmt die „Neue Lust“. In den Folgejahren steigt die Förderung entscheidend an.

 

1895

Die Grube „Beilstein“ wird wegen Erschöpfung der Lagerstätten stillgelegt.

 

1896

Auf der Scheldebahn wird der Personenverkehr eröffnet.

 

1898

Der Hochofen der Burger Eisenwerke wird ausgeblasen. Es ist der letzte von ehemals zahlreichen an Dill und an Dietzhölze sowie im Hinterland, der auf der Basis von Holzkohle das Eisenerz aus dem Schelderwald verhüttet hat.

 

1904

Nachdem der Hessen-Nassauische-Hüttenverein schon jahrelang keinen eigenen Hochofen mehr hat, entscheidet sich das Unternehmen unter Leitung von Kommerzienrat Gustav Jung für den Bau eines neuen, der jetzt auf Koksbasis betrieben werden soll. Der Standort wird Oberscheld, im Frühjahr wird mit dem Bau begonnen.

 

11. Juli 1905

Der erste Kokshochofen in Oberscheld wird angeblasen. Er soll bis 1917 laufen und 261 476 t Roheisen erschmelzen.

 

1906

Aus dem Gichtgas des Oberschelder Hochofens wird erstmals Strom gewonnen. Es ist bald die Grundlage für den Aufbau eines Stromnetzes, an das nach und nach alle Grubenbetriebe und Eisengießereien des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins angeschlossen. Ebenso erhalten auf diesem Wege schon viele Dörfer der Region schon vor dem Ersten Weltkrieg erstmals elektrische Energie.

 

1908

Auf  „Stillingseisenzug“ wird mit komprimierter Luft gearbeitet.

 

1910

Weil der Bedarf an Gießereiroheisen in jenen Jahren stark ansteigt, entschließt sich der Hessen-Nassauische Hüttenverein bald nach dem Anblasen des ersten Hochofens in Oberscheld zum Bau eines zweiten, der jetzt angeblasen wird. Der Ofen II läuft bis 1926 und erschmilzt 288 553 t).

 

1910

Eine ein Kilometer lange Seilbahn wird zwischen „Friedrichszug“ und dem Bahnhof Herrnberg gebaut.

 

1911

Die bisher als Stichbahn betriebene Scheldebahn wird verlängert. Über die Wasserscheide bei Hirzenhain führt sie weiter über Gönnern bis nach Wallau, wo sie an die Marburg-Siegener Bahn angeschlossen wird. Mit ausschlaggebend für diesen Bahnbau ist die bessere Anbindung des Oberschelder Hochofen an die Gießereibetriebe im Hinterland, wo das hier erzeugte Roheisen zu allerlei Produkten weiter verarbeitet wird.

 

Eine weitere Seilbahn stellt die Verbindung vom „Stillingseisenzug“ zur neuen Zentralaufbereitung am Herrnberg her.

 

1912

Erst seit diesem Jahr konzentriert sich der Besitz um den „Auguststollen“ überwiegend in einer Hand: Die Firma J. C. Grün erwirbt den größten Teil der Grubenfelder. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg baut sie am Ausgang des „Burger Stollens“ moderne  Aufbereitungsanlagen.

 

1914

Mit 34.650 Tonnen Jahresförderung an Eisenerz wird der Höhepunkt auf „Stillingseisenzug“ erricht. Zuvor lag die Förderung im Schnitt bei 20.000 Tonnen jährlich.

 

Der Erste Weltkrieg beginnt. In den Folgejahren gibt es auf etlichen Schelderwaldgruben Förderrekorde – vor dem Hintergrund, dass Eisenerz ein kriegswichtiger Rohstoff ist. Er trägt also zu dem mörderischen Schlachten an den Fronten bei. Das hat für den ein oder anderen heimischen Bergmann den Vorteil, dass er vom Kriegsdienst frei gestellt wird: Strategisch gesehen ist seine Arbeit in den Zechen wichtiger als die in den Gräben vor dem Feind. Allerdings nimmt in dieser Zeit die Zahl der Grubenunglücke deutlich zu. Die Arbeitshetze führt zur Vernachlässigung der Sicherheitsmaßnahmen.

 

1916

Mit dem Bau einer Seilbahn von der Grube „Neue Lust“ bis zum Bahnhof Herrnberg wird begonnen. Bis dahin wird das Eisenerz mit viehbespannten Fuhrwerken zur Bahnstation gebracht. Doch mitten im Ersten Weltkrieg mangelt es an Zugtieren: Viele Pferde sind ebenso wie die Männer an der Front im Einsatz.

 

Bei 81 Belegschaftsmitgliedern beträgt die Förderung auf „Friedrichszug“ 37.084 Tonnen. Gegenüber den Vorjahren hat sie sich damit verdreifacht.

 

1918

Im November endet der Erste Weltkrieg. In den Folgejahren dringt verstärkt billiges Erz aus dem Ausland nach Deutschland. Der Schelderwald-Bergbau gerät damit in eine Krise. Gruben reduzieren ihre Förderung oder werden ganz stillgelegt. Viele Bergleute werden entlassen. Sie sind lange arbeitslos, auch während die Wirtschaft in anderen Teilen Deutschland zumindest vorübergehend  wieder erblüht. Die „Goldenen Zwanziger Jahre“ hat es in unserer Heimat nie gegeben!

 

1926

Nach Jahren der Stilllegung kann auf „Friedrichszug“ durch Staatsbeihilfen wieder der Betrieb aufgenommen werden. Auf der 120-m-Sohle setzt man einen neuen Blindschacht an, von dem aus Tiefbausohlen in 160 m, 200 m, 245 m und 300 m Tiefe angelegt von werden. Von der tiefsten Sohle wird später, in den 30er Jahren, aus Gründen der Bewetterung (so nennt der Bergmann die Frischluftzufuhr) eine Verbindung zum „Königszug“ hergestellt.

 

1929

„Ölsberg“ wird stillgelegt, wegen zu geringer Eisensteinvorräte und wegen des qualitativ schlechten Erzes. Die geförderte Jahresmenge hatte in den Jahren zuvor durchschnittlich drei- bis viertausend Tonnen betragen.

 

1930

„Friedrichszug“ nimmt eine eigene Aufbereitung in Betrieb.

 

1931

Nachdem schon in den zwanziger Jahren die „Neue Lust“ von starken Absatzkrisen betroffen ist und die Belegschaft zeitweise auf zwanzig Arbeiter sinkt, erfolgt die erste Stilllegung.

 

1935

BUDERUS übernimmt die Betriebe des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins auch den Oberschelder Hochofen. Dort werden fortan vor allem die Erze der Gruben „Königszug“, „Neue Lust“, „Abendstern“ (bei Hungen), Georg Joseph (Gräveneck) und Erzsinter aus Watenstedt verhüttet. Den Koks liefert die Zeche Dorstfeld bei Dortmund, den Kalk ein Steinbruch in der Nähe von Erdbach bei Breitscheid.

 

1936

„Neue Lust“ ist jetzt, wie viele andere Schelderwaldgruben neuerdings auch, im Besitz der Firma BUDERUS: Sie wird wieder in Betrieb genommen.

 

Dezember 1944

Kriegsbedingt muss die gesamte Oberschelder Hochofenanlage stillgelegt werden.

 

1.9.1948

„Friedrichszug“ wird endgültig stillgelegt. Ungünstige Abbauverhältnisse haben diese Maßnahme schon Jahre zuvor angekündigt, aber der starke Eisenerzbedarf im 2. Weltkrieg konnte diese noch ein paar Jahre aufschieben. Nach der Betriebseinstellung werden die Räume der Zechenhäuser zeitweise als Unterrichtsräume für Berufsschulzwecke genutzt.

 

1950

Auf „Königszug“ werden 3,3 Tonnen Eisenerz pro Mann und Schicht gefördert.

 

1955

Als neuer Zentralschacht wird auf „Königszug“ der „Witte-Schacht“ in Betrieb genommen. Er ist ein Schrägschacht mit einer Neigung von 67 Grad – eine in Deutschland einmalige Anlage.

 

1956

Während die meisten heimischen Gruben spätestens im 19. Jahrhundert zum Tiefbau übergehen müssen, ist noch lange auf der „Eisernen Hand“ der Tagebau rentabel – dank des mächtigen Erzlagers mit bis zu 20 Metern Stärke. Erst jetzt wird der Tagebau aufgegeben. Auf den Aufbereitungsanlage des „Auguststollen“ wird aber noch lange weiter gearbeitet, fast zwei Jahrzehnte lang.

 

1957

Auf der jüngsten Schelderwald-Grube, dem „Falkenstein“, beginnt das Abteufen des Schachtes. Er soll das Erzlager erschließen, das in 205 Meter Tiefe liegt. Obwohl sich durch die Konkurrenz der Übersee-Erze bereits die Krise des deutschen Eiserz-Bergbaus abzeichnet, werden noch einmal über 5 Millionen DM in diese neue Anlage investiert. Sie liegt zwischen Oberscheld und Eisemroth, unmittelbar neben der historischen  „Hohen Straße“, die einmal ein bedeutender überregionaler Handelsweg war.

 

30.9.1962

Die „Neue Lust“ wird endgültig geschlossen. In ihren 140 Abbaujahren hat sie rund eineinhalb Millionen Tonnen Erz gefördert.

 

Auf „Königszug“ werden in diesem Jahr 6,1 Tonnen Eisenerz pro Mann und Schicht gefördert. Der konsequente Einsatz neuer technischer Hilfsmittel hat diese Leistungssteigerung möglich gemacht. Dazu gehören Elektroschrapper und Wurfschaufellader.

 

1966

Es wird erkennbar, dass der heimische Bergbau keine Zukunft mehr hat. Die Dillenburger Bergschule, die die südlichste in Deutschland war, entlässt ihre letzten Absolventen und wird geschlossen.

 

30.3.1968

Auf der Grube „Königszug“ wird die letzte Förderschicht gefahren. An diesem Tage hat sie noch 120 Beschäftigte. Sie war die größte, die jemals in Hessen in Betrieb war. In ihren besten Zeiten, noch ein Jahrzehnt zuvor, hatte sie über 500 Beschäftigte.

 

 

30.4.1968

Das Oberschelder Hochofenwerk wird stillgelegt. Diese Maßnahme steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der einen Monat zuvor erfolgten Stilllegung des „Königszugs“. Zuletzt beschäftigt das Werk, einschließlich seiner Nebenbetriebe, 220 Arbeiter und Angestellte. Eine rund zweieinhalbtausend Jahre währende Tradition, in der Eisenerzabbau und –verhüttung in engem Zusammenhang stehen und das Wirtschaftleben einer ganzen Region geprägt haben, ist damit zu Ende. Sie wirkt bis zum heutigen Tage. Dass in unserer Heimat nach wie vor die Metallverarbeitung dominierend ist und der Lahn-Dill-Kreis (zusammen mit dem Kreis Groß-Gerau, hier bedingt durch Opel in Rüsselsheim) zu den am stärksten industrialisierten in Hessen gehört, ist unmittelbar auf diese Tradition zurückzuführen.  

 

1970

Als der Oberschelder Hochofen schon stillgelegt ist, erreicht der „Falkenstein“ sein bestes Förderergebnis: Eine Belegschaft von 140 Mann holt 150.000 Tonnen Eisenerz ans Tageslicht. Dieses wird mit LKW zur Verladerampe nach Oberscheld gebracht und dort in Bundesbahnwaggons umgeladen.

 

31.8.1973

Wegen chronischen Absatzmangels schließt die Grube „Falkenstein“ Über eine Million Tonnen Erz sind in den anderthalb Jahrzehnten der Betriebszeit hier gefördert worden. Mindestens die dreifache Menge blieb in der Tiefe an Vorrat zurück.

 

1975

Knapp zwei Jahrzehnte nach dem Ende der Abbautätigkeit werden auch die Aufbereitungsanlagen auf „Auguststollen“ stillgelegt.

 

1987

Die Scheldebahn wird stillgelegt. Nach dem Ende des Eisenerzabbau und der –verhüttung spielt der Güterverkehr hier so gut wie keine Rolle mehr. In ihren letzten Jahren, als das Wirtschaftswunder und der damit erfolgte Wohlstand  dafür gesorgt hatte, dass fast in jedem Haushalt ein Auto zu finden ist, befördert sie fast nur noch Schüler zu den Schulen von Dillenburg (bzw. auf der anderen Seite zu denen von Biedenkopf).


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